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Deutsch-polnischer EU-Austausch zeigt Wunsch nach mehr Zusammenarbeit in der Grenzregion

Rund 35 Teilnehmende, darunter knapp zehn Gäste aus der polnischen Nachbarregion, kamen am 21. Mai 2026 in Schwedt/O. zur Veranstaltung „Die EU – ja, aber wozu?“ zusammen. Eingeladen hatten die Präsenzstelle Schwedt | Uckermark und das Informations- und Beratungsnetzwerk IBN der Pomerania. Die gute Resonanz zeigt, dass europäische Themen und ein gemeinsamer Austausch in der Uckermark auf großes Interesse stoßen.

Den fachlichen Einstieg übernahm Prof. Dr. Georg Miribung (Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde). In seinem rund 30-minütigen Vortrag zeichnete er die Entwicklung der Europäischen Union von der Montanunion bis heute nach und erläuterte ihre zentralen Funktionsweisen. Im Mittelpunkt stehe der europäische Binnenmarkt ohne Zölle und Kontingente, der die EU zu einem der erfolgreichsten Wirtschaftsräume weltweit gemacht habe. Gleichzeitig verwies er auf unterschiedliche Interessenlagen der Mitgliedstaaten, etwa in der Migrations- und Außenpolitik.

Neben strukturellen Fragen hob Miribung konkrete Vorteile hervor: hohe Standards in der Lebensmittelsicherheit sowie erhebliche Mehrwerte für Landwirtschaft, Strukturförderung und Forschung. Auch persönlich sei Europa für den Professor des Lehrstuhles Recht und Politik im Wald- und Umweltbereich prägend: Sein Studium in Österreich und England sowie sein heutiges Pendeln zwischen Südtirol und Eberswalde wären ohne die EU kaum denkbar. „Europa ist nicht Brüssel, so wie Deutschland nicht Berlin ist“, betonte er mehrfach.

Im anschließenden Austausch wurde deutlich, wie konkret Europa im Alltag wahrgenommen wird. Ein Teilnehmer formulierte es anschaulich: „Ich kann zum Tanken nach Polen fahren. Dort ist es günstiger.“ Andere verwiesen auf die heute selbstverständlichen Möglichkeiten, grenzüberschreitend zu arbeiten und mobil zu sein.

Besonders die Beiträge der polnischen Gäste machten die Bedeutung eines stärkeren gegenseitigen Blicks deutlich. „Wir wünschen uns, dass Deutschland mehr zu uns schaut, auch die deutschen Medien“, hieß es aus der Runde. Gleichzeitig wurde für mehr Verständigung geworben: „In einer Grenzregion sollte es selbstverständlich sein, die Sprache des Nachbarlandes zu lernen.“ Auch der praktische Nutzen der EU wurde hervorgehoben: „Heute können viele von uns in Deutschland arbeiten und pendeln. Das war früher nicht möglich.“ Zudem bestand Einigkeit darüber, dass es mehr Zusammenarbeit und Austauschformate braucht.

Neben kritischen Perspektiven wird eine große Offenheit gegenüber der EU insbesondere bei jüngeren Menschen wahrgenommen, so die deutschen als auch polnischen Gäste. Der Austausch setzte sich im Anschluss in lockerer Atmosphäre bei Getränken und einem kleinen Abendessen fort.

Die Veranstaltung zeigte, wie wichtig persönliche Begegnungen und gemeinsame Gespräche für das Miteinander in der deutsch-polnischen Grenzregion sind. Die Europäische Union schafft hierfür wichtige Rahmenbedingungen und bietet weiterhin Potenzial für eine noch engere und bessere Zusammenarbeit.