Ein Jahr im Eis: Was die MOSAiC-Expedition über die Arktis verrät
Doch bevor es mitten ins Eis ging, erläuterte Dr. Schulz die physikalischen Grundlagen, die für das Verständnis der arktischen Veränderungen entscheidend sind: Sonnenenergie, der Aufbau der Erdatmosphäre und die Ozonschicht. „Wir leben auf dem Grund eines Luftmeeres“ – mit diesem Bild machte er anschaulich, wie die Atmosphäre unseren Planeten umgibt. Die Thermodynamik sorgt dabei für einen ständigen Austausch von Luft und Energie innerhalb des Erdsystems.
Wie erforscht man eine Region, die über lange Zeit kaum zugänglich war? Bei MOSAiC wurde dafür ein ungewöhnlicher Weg gewählt: Die Polarstern ließ sich im Herbst 2019 im arktischen Meereis einfrieren und driftete anschließend gemeinsam mit dem Eis durch das Nordpolarmeer. Auf einer Eisscholle, rund 1000 km von der nächsten Zivilisation entfernt, entstand ein Forschungscamp mit 100 t wissenschaftlichem Material. Forschende aus 20 Ländern waren an der Expedition beteiligt.
Das Ziel: die Arktis nicht nur punktuell, sondern über einen vollständigen Jahreszyklus hinweg zu untersuchen. Wie bewegen sich Energie und Wärme zwischen Sonne, Atmosphäre, Meereis und Ozean? Welche Prozesse bestimmen die Entwicklung des Meereises? Und wie beeinflussen sich Atmosphäre, Eis und Meer gegenseitig?
Die MOSAiC Expedition lieferte dazu eine außergewöhnlich umfangreiche Datengrundlage. Über ein Jahr hinweg wurden unter anderem Atmosphäre, Meereis, Ozean, Schnee und biologische Prozesse untersucht. Die Forschenden konnten dadurch die komplexen Wechselwirkungen im arktischen Klimasystem detaillierter erfassen und Modelle zur Entwicklung der Arktis verbessern.
Der Planet erwärmt sich insgesamt, allerdings mit großen regionalen Unterschieden. Besonders deutlich zeigt sich das in der Arktis: „Die Arktis erwärmt sich viermal schneller als der Rest des Planeten“, erklärte Dr. Schulz. Doch warum ist das so, obwohl die Polregion deutlich weniger Sonnenenergie erhält als die Äquatorregion?
Ein wichtiger Faktor ist die sogenannte Arctic Amplification. Verschwindet das Eis auf dem arktischen Meer, trifft die Sonnenstrahlung auf die deutlich dunklere Meeresoberfläche. Das Meer nimmt dadurch mehr Wärme auf und erwärmt sich schneller – ein Prozess, der wiederum die Eisschmelze verstärken kann.
Dr. Schulz, der Astrophysik und Klimaphysik an der Universität Potsdam studierte und seit seiner Diplomarbeit am Alfred-Wegener-Institut (AWI) forschen darf, vermittelte dabei nicht nur wissenschaftliche Erkenntnisse, sondern auch einen Eindruck vom Leben und Forschen unter extremen Bedingungen: völlige Isolation, Kälte und die ständige Bewegung des Meereises.
Sein Vortrag machte deutlich, warum die Arktis für die Klimaforschung so wichtig ist: Veränderungen im arktischen Eis- und Energiesystem bleiben nicht auf die Polarregion beschränkt. Die gewonnenen Erkenntnisse helfen dabei, die Veränderungen des globalen Klimasystems besser zu verstehen. Weitere Informationen zur Expedition finden sich hier: https://mosaic-expedition.org/
Und die Forschung geht weiter: Eine neue Expedition, diesmal zur Antarktis, ist für 2027 geplant.
Am 26.09.2026 wiederholte Dr. Schulz seinen Vortrag für alle neunten und elften Klassen des Einsteingymnasiums in Angermünde. Vielen Dank für diese spannende Reise in die Arktis!